Für ein besseres Verständnis möchte ich hier einen Einblick in das Thema ISDN geben. Wer sich intensiver mit diesem Thema befassen möchte, der findet in den Literaturhinweisen sicher Anregungen.
Inhalt:
Einführung (Top)
Mit dem ISDN wurde vor einigen Jahren ein Standard geschaffen, der das analoge Telefonnetz ablösen soll. Darüber hinaus war es Ziel, neue Dienste/Feature zu integrieren und den Bedürfnissen der Datenverarbeitung zu entsprechen. Für die Umsetzung wurden diverse Standards mit relativ großen Freiheitsgraden für ISDN definiert. So entstanden verschieden inkompatible Implementierungen von ISDN-Netzwerken (je nach Land bzw. Telefongesellschaft). In Deutschland wurde z. B. das 1tr6-Protokoll für ISDN verwendet. Inzwischen gibt es einen starken gemeinsamen Standard: das Euro-ISDN (DSS1-Protokoll). Wie in vielen europäischen Ländern wird in Deutschland nur noch Euro-ISDN verwendet. In den USA werden jedoch 2 andere Varianten des ISDN eingesetzt. Dort ist auch "nur" eine Übertragungsrate von 57Kb (EuroISDN 64Kb) je Kanal möglich.
Die Zukunft von ISDN sieht vermutlich nicht sehr rosig aus. Zwar ist ISDN durch Kanalbündelung für größere Übertragungskapazitäten offen, jedoch kommen neue Technologien mit neuen Möglichkeiten wie DSL oder IP über Stromkabel auf den Markt. Dabei zeichnet es sich ab, dass irgendwann alle Informationsdienste (TV, Video, Radio, Internet, Telefon usw.) über einen Anschluss mit einem Protokoll (letztlich TCP/IP) angebunden werden. Der Sprachdienst (telefonieren) spielt dann aufgrund des geringen Datenvolumens keine Rolle mehr. Prinzipiell kann man das alles auch mit ISDN abwickeln, aber der Markt scheint andere Lösungen zu suchen. Insbesondere in den USA spielt ISDN keine große Rolle. Hier wird ISDN eher als Telefondienst und nicht als Datendienst gesehen. Für Datenverbindungen wird im SOHO z. B. DSL bevorzugt.
ISDN Feature (Top)
Welche Vorteile hat ISDN zu bieten?
Im Gegensatz zum analogen Telefon ist ISDN digital. Das hat Auswirkungen auf die Geschwindigkeit des Verbindungsaufbaus (max. 2 Sekunden) und Sprachqualität. Eine weitere wichtige Neuerung ist die Diensterkennung. Wenn ISDN-Geräte miteinander eine Verbindung herstellen wollen, wird neben der Rufnummer zusätzlich der gewünschte Dienst übertragen. So können verschiedene Dienste, wie z. B. Telefonie und Datenübertragung, problemlos über eine Rufnummer abgewickelt werden. Das ISDN-Telefon klingelt dann nur, wenn ein Ruf mit der Dienstkennung "Sprache" eingeht und der Computer reagiert ausschließlich auf Anrufe mit der Datendienst-Kennung.
Einige weitere ISDN-Feature: Anklopfen, Makeln (wechseln zwischen zwei Gesprächen), Fax Gruppe 4 (nur gering verbreitet), Videoconferencing.
Der Preis für die neuen Möglichkeiten ist ein größerer Aufwand bei Installation und Konfiguration. Gerade im Zusammenspiel mit analogen Teilnehmern (insbesondere Fax und Modem) sind einige Dinge zu beachten.
ISDN und analoge Telefonie (Top)
Im Zusammenspiel vom analogen und ISDN-Netz gibt es ein paar Dinge zu beachten, die mit der Dienstkennung von analogen Teilnehmern zusammenhängen. Jede Verbindung von einem analogen Anschluss verwendet den Dienst "Sprache" (also normal Telefon). Ein ISDN-Teilnehmer erwartet aber den Dienst "Sprache" lediglich auf dem Telefon oder Anrufbeantworter. Dieses Problem kann nur mit gesonderten Telefonnummern für Fax und Modem, die ebenfalls den Dienst "Sprache" bedienen müssen, gelöst werden. Aber Achtung: Es gibt im ISDN auch den Dienst "analog Fax" (genauer Fax Gruppe 3). Dieser ist an der Telefonanlage ebenfalls für die Faxnummer zu konfigurieren.
Aufbau und Funktionsweise (Top) Übersicht ISDN Netzwerk Literatur (Top)
noch offen .....
Zwei Varianten für einen ISDN-Anschluß stehen zur Auswahl. Zum einen der S2M Primärmultiplexanschluß mit 30 B-Kanälen zu je 64kBit/s und einem D-Kanal mit 64kBit/s. Das ist eher für große Unternehmen interessant und soll hier nicht weiter zur Diskussion stehen.
Die 2. Variante, der S0-Basisanschluß, hat zwei 64kBit/s B-Kanäle und einen D-Kanal mit 16kBit/s.
Dieser Basisanschluss kann als Mehrgeräte- (ein S0-Bus mit maximal 8 ISDN Geräten) oder Anlagenanschluss bestellt werden. Beim Anlagenanschluss wird die ISDN-Telefonanlage direkt an das ISDN angeschlossen. Zu einem solchen Basisanschluss können bis 10 Rufnummern bestellt werden. Der S2M-Anschluss ist immer ein Anlagenanschluss.
Je B-Kanal kann eine Verbindung hergestellt werden. Mit einem ISDN-Anschluss kann man so z. B. beim Surfen im Internet nebenher telefonieren oder ein Fax versenden.
ISDN verwendet zwei Kanaltypen. Das sind der D-Kanal und der B-Kanal.
Die eigentliche Verbindung bzw. Nutzdatenübertragung wird über den B-Kanal abgewickelt. Dieser Kanal kann beim Euro-ISDN maximal 64KBit/Sekunde (480Kbyte/Min) übertragen. Bei Kanalbündelung ist entsprechend die doppelte Übertragungsrate möglich, wobei aber auch doppelte Verbindungskosten anfallen.
Der D-Kanal ist für die Steuerung der Verbindungen der B-Kanäle zuständig. U.a. wird vor dem Verbinden eines B-Kanals über diesen Weg geprüft, ob der Anschluss frei ist und ein Endgerät den geforderten Dienst entgegennehmen kann. Ist z. B. der Computer gerade abgeschaltet und ein Anruf mit der Dienstekennung "Daten" geht ein, so wird keine Verbindung hergestellt. Der Anrufer bekommt ein "Besetzt-Zeichen".
Der D-Kanal kann auch für Datenübertragung (16KBit/Sekunde) genutzt werden. Das ist eigentlich nur für Anwendungen mit geringem Datenaufkommen bei ständiger Verfügbarkeit interessant (z. B. Überwachungsanlagen oder Online-Buchungssysteme). Da zusätzliche Konfigurationen erforderlich sind (Definition von TEI's), muss dieser Dienst gesondert beantragt und bezahlt werden. Üblicherweise wird hierzu das X.31-Protokoll (ISDN -> X.25 Übergang) genutzt. Für den SOHO-Kunden hat die Deutsche Telekom Mitte 2000 einen Feldversuch gestartet, der einen pauschalen 24-Stunden-IP-Zugang über den D-Kanal ermöglicht hat. Bei Bedarf konnte ein B-Kanal zugeschaltet werden. Leider wurde daraus kein Produkt.
noch offen ...
Heiko Haase Heike Pribe ©
29/Aug/2000
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